MACHBARKEITSSTUDIE  MIKRODEPOTS
BERCHTESGADENER LAND

OUT- AND INSIDE THE BOX

Um die negativen Einflüsse des Lieferverkehrs im Berchtesgadener Land zu minimieren, führen wir für das Landratsamt BGL in den drei kreisangehörigen Städten eine Machbarkeitsstudie zu Mikrodepots durch. Sollen Pakete in Bad Reichenhall, Freilassing und Laufen in Zukunft zwischengelagert werden und die letzte Meile mittels Lastenrad, E-Fahrzeug oder zu Fuß zurückgelegt werden? Und wie kann auch der Einzelhandel von Mikrodepots profitieren? Um diese Fragen zu klären, werden zunächst die Anforderungen analysiert und anschließend untersucht, unter welchen Voraussetzungen ein wirtschaftlicher Betrieb realisierbar wäre.

Was ist eigentlich ein Mikrodepot? 

Ein Mikrodepot ist ein zusätzlicher Umschlagepunkt für Paketdienstleister im innerstädtischen Bereich. Normalerweise werden Pakete aus riesigen regionalen Verteilerzentren in großen, kraftstoffbetriebenen Vans direkt zum Ziel gebracht. Diese sogenannte letzte Meile ist nicht nur besonders teuer für den Zustelldienst, sondern auch Auslöser für Stau, Park- und Umweltprobleme sowie Lärmbelästigung. In großen Städten wie Hamburg, München oder Berlin werden deshalb bereits seit längerem Mikrodepots eingesetzt: von einer Lagerhalle oder einem Container aus werden die letzten Kilometer eines Paketes dann mit einem E-Fahrzeug oder einem Lastenrad absolviert.

Das rechnet sich meistens nicht nur wirtschaftlich: Durch den Einsatz von alternativen Verkehrsmitteln werden direkt Emissionen reduziert. Zudem nehmen Zweiräder deutlich weniger Fläche in Anspruch! Der Verkehrsfluss auf den Straßen wird verflüssigt und der öffentliche Raum wird insgesamt attraktiver und sicherer. Außerdem müssen KEP-Dienstleister (Kurier-, Express- und Paketdienste) ihre Fuhrparks früher oder später sowieso umrüsten - schließlich gibt es immer mehr Restriktionen für Dieselfahrzeuge.
Wo ist also der Haken? Entscheidend für den Erfolg ist die Kooperationsbereitschaft aller PartnerInnen. Dabei ist leider nicht immer ganz klar, wie sich Interessen vereinbaren können, wer letztendlich bereit ist Verantwortung zu übernehmen und wie die Rentabilität sichergestellt werden kann.

In Experteninterviews werden zunächst bestehende Strukturen analysiert und Handlungsfelder identifiziert. Mit diesem Wissen wird die Zielsetzung verfeinert und es werden realistische Lösungsansätze für die jeweiligen Räume formuliert, die die Anforderungen der Beteiligten bündeln. Aufgeteilt in kleinere Lösungsmodule lassen sich Kosten und Nutzen gut betrachten und analysieren – individuell betrachtet sowie auch verwobene Skalierungseffekte. Das finale Ergebnis aus dieser Begutachtung ist ein konkreter Umsetzungsplan, der die Vorteile von Mikrodepots in die Region bringen soll. 

Nun gilt es, dieses Konzept der Mikrodepots auch in den ländlichen Raum zu bringen. 

Verbesserung auf allen Ebenen: Mikrodepotrevolution auch im Einzelhandel.

Die größtmögliche Schnittmenge zwischen verschiedenen Interessen zu identifizieren ist oft keine leichte Aufgabe. Speziell in diesem Projekt hat sich unter anderem die Frage aufgetan: wie kann auch der stationäre Handel von den verbesserten Strukturen für Paketdienstleister profitieren? Und wie kann man den Einzelhandel dabei unterstützen seine Vertriebskanäle dementsprechend zu erweitern? Ein gesellschaftlich aufgeladenes Thema zu Zeiten der Corona Krise, das sehr genau unter die Lupe genommen wird.

Veränderung aktiv moderieren – so lautet die Devise im Projekt Mikrodepots Berchtesgadener Land. Keine leichte Aufgabe. Doch wenn man seinen Weg kennt und bestimmt Schritt für Schritt geht, ist einem kein Ziel zu fern. Und in einer Region mit so majestätischen Gipfeln, hat man schon lange verstanden: die guten (Zukunfts-)Aussichten sind jede Anstrengung wert.
AuftraggeberLandkreis Berchtesgadener Land
Laufzeit10/2020 bis 04/2021